English
HomeF.C. GundlachSammlungStiftungArchive

"An-Ordnung / Un-Ordnung"

Eine Ausstellung aus der Sammlung F.C. Gundlach in der Kulturbehörde Hamburg

Am 1. Februar 2013 fand sich F.C. Gundlach mit einem Hängeteam im Vorzimmer der Kultursenatorin Barbara Kisseler ein, um dort eine neue Ausstellung an die Wände zu bringen.

 

Die Exponate der Kabinettausstellung spiegeln zwei einander entgegengesetzte Prinzipien: Während die fotografischen Arbeiten von Karl Blossfeld, Bernd und Hilla Becher, Peter Keetman und Thomas Locher verschiedene Ordnungskriterien repräsentieren, entspringen die malerischen Werke von Imi Knoebel, Georg Herold und Günther Förg dem gestisch expressiven Chaos.

 

Mit seinen formal strengen Detailaufnahmen von Blättern, Blüten, Knospen und Keimen begibt sich Karl Blossfeld (1864–1932) wie Goethe auf die Suche nach den Urformen der Natur. Ausgehend von Motivstudien für den Zeichenunterricht widmete er sich über zwei Jahrzehnte einer systematischen Dokumentation von pflanzlichen Formen und Strukturen, die er 1928 in seinem Bildband „Urformen der Kunst“ veröffentlichte. Herausgelöst aus ihrem Biotop, seziert und vor monochromen Hintergründen isoliert wie in einem klassischen Herbarium weisen die Präparate grafische, ja ornamentale Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Bau der Pflanzen auf.

 

Bernd Becher (1931-2007) und Hilla Becher (*1934) begannen schon während ihres Studiums Ende der 1950er Jahre an der Düsseldorfer Kunstakademie mit fotografischen Aufnahmeserien von Industriebauten und Fachwerkhäusern. Streng hielten sie Kameraposition und Zentralperspektive ein und achteten selbst auf möglichst ähnliche Wetterlagen und Lichtsituationen. So betonen sie den dokumentarischen Charakter ihrer Motivserien, während sie gleichzeitig die scheinbare Objektivität durch Auswahl und Gruppierung der Gebäude brechen und in den Bereich der konzeptuellen Kunst überführen.

 

Auch Peter Keetman (1916-2005) bringt mit seinen beiden Aufnahmen Ordnung in das Durcheinander der Bauarbeiter und ihrer Werkstoffe auf einer Großbaustelle und in das fröhliche Gewusel der Eisläufer im Eisstadion. Aufsicht und Doppelbelichtung bringen Übersicht und Struktur

 

Thomas Locher (*1956) übernimmt die neu-sachlichen, ordnenden Ansätze Karl Blossfelds und der Bechers für seine Zahlenarbeiten. Er gruppiert artverwandte Objekte zu Stilleben und versieht jedes Objekt mit einer Zahlentafel. Sein Ansatz ist jedoch subjektiv: Zwar ist die Zahl ein Medium der Einordnung, da aber die Zahlen in Lochers Werken ohne Erklärung, ohne Legende bleiben seine Ordnungskriterien rätselhaft.

 

Die Werke von Imi Knoebel (*1940), Georg Herold (*1947) und Günther Förg (*1952) stehen auf den ersten Blick in deutlichem Kontrast zu den fotografischen Arbeiten dieser Ausstellung. Besonders Knoebels vielschichtige, in breiten gestischen Pinselstrichen übermalte Materialcollage und Herolds chemisch erzeugte Fotoarbeit betonen den expressiven, den aktiv gestaltenden Duktus des Künstlers. Aber auch Förgs dreiteilige, monochrome Malerei auf Blei steht im Grunde der Ordnung entgegen: Das mit sichtbaren Pinselstrichen aufgetragene Gelb lässt das dunkle, (amorphe) Blei in vielfältigen Schattierungen durchscheinen und macht eine Darstellung der reinen Farbe letztlich unmöglich.