
In seinem 175. Jubiläumsjahr gibt der Kasseler Kunstverein vom 1. Mai - 27. Juni 2010 in der Ausstellungsreihe „BACK TO
KASSEL“ Einblicke in das Werk der drei herausragenden international
bekannten Designer Jupp Ernst, Günter Kupetz und Peter Raacke sowie des
Fotografen F. C. Gundlach.
Ihnen war die nordhessische Metropole für kurze oder längere Zeit Mittelpunkt ihres
Lernens, Wirkens und Lehrens. Neben einem Querschnitt durch das kreative
Schaffen werden bei dieser Ausstellung diejenigen Arbeiten in den Fokus gerückt,
die im engeren wie weiteren Kontext in der Zeit in Kassel entstanden sind. Im Kasseler Kunstverein stehen die von ihnen gestalteten
Gegenstände, ihre Entwürfe, ihre gebrauchsgrafischen Arbeiten, Produkte und
Fotografien im Zentrum. Es sind Arbeiten, die für ihre gestalterische Qualität,
Innovation und zeitlose Form Maßstäbe gesetzt und Design- und
Fotografiegeschichte geschrieben haben.
Jupp Ernst wurde 1954 als Direktor an die wieder eröffnete Werkkunstschule nach
Kassel berufen. Er gründete die Zeitschrift „form“ und richtete 1964 für die documenta III die Sonderschau „Industrial Design
und Graphik“ aus. Ernst war einer der
renommiertesten Designer im Deutschland der Nachkriegszeit und einer der
typischen Vertreter der „Guten Form“. Er gestaltete das gesamte Erscheinungsbild der Firma Melitta, seine Entwürfe für Kaffee- und Teeservices stehen in ihrer Schlichtheit in Dekor
und Farbgestaltung synonymhaft für die Produktgestaltung der 1950er Jahre.
F. C. Gundlach hat als Fotograf über Jahrzehnte die Mode begleitet, sie
dokumentiert und inszeniert sowie durch seine Art der Darstellung und ihre
Verbreitung durch die Printmedien auch die Menschen selbst, ihre Wünsche und
Sehnsüchte und ihr Umfeld maßgeblich beeinflusst. Er hat schließlich selbst ein
Stück Designgeschichte geschrieben. Seine Arbeiten spiegeln den Wandel der
Mode von der Haute Couture bis zum Prêt-à-porter und zeigen den Wechsel von
Schönheitsidealen.
Perfektion im Handwerk, kreative Inszenierung und Wahl eines außergewöhnlichen
Ambientes zeichnen die Fotografien von Gundlach aus. Sie sind auf das
Notwendigste reduziert und grafisch klar strukturiert, zeigen trotz ihrer kühlen
Strenge oft eine emotional sinnliche Komponente.
Kassel als Stadt der Kinos und des Films in den 1950er Jahren zollt der Kasseler
Kunstverein Anerkennung durch eine Auswahl von Portraits damaliger Stars und
Sternchen.
Günter Kupetz’ Werk steht stellvertretend für den Beginn des Industriedesigns in
Deutschland. Mit Berufskollegen wie Peter Raacke gründete er den „Verband
Deutscher Industrie Designer“.
Seine vielfältigen Entwürfe für Cromargan-Teile haben das einzigartige
Erscheinungsbild der Firma WMF in den1960er Jahren maßgeblich geprägt und sind bis heute Teil
der Tischkultur geblieben. Als innovativ und visionär sind
die Entwürfe für Telefongeräte der Firma Telefunken zu bezeichnen. Ganz
eindeutig ist sein Name mit der sogenannten „Perlenflasche“ verbunden.
Ausgezeichnet mit dem Bundespreis „Gute Form“ wird sie seit 40 Jahren
unverändert von der Genossenschaft Deutscher Brunnen hergestellt und
vertrieben. Als das meist produzierteste Designobjekt der Welt ist ihre Popularität
konkurrenzlos
Mit dem Namen Peter Raacke verbindet man das zum Designklassiker gewordene
Besteck „mono-a“, das er 1959 in seiner Kasseler Zeit entwickelte und von der
Firma Hessische Metallwerke Gebr. Seibel in Ziegenhain auf den Markt gebracht
wurde. Es ist der konsequente Gegenentwurf zur Formensprache der 1950er Jahre
mit seinen Nierentischen und Tütenlampen: sachlich, reduzierte Form, konsequent
funktional. Immer wieder wurde das Besteck von Raacke analog zum
Zeitgeschmack variiert oder ergänzt: „mono-clip“, „mono-e“ und „mono-ring“.
Bis heute hat es an Modernität, Aktualität und Zeitlosigkeit nichts verloren. Den Puls
der1960er Jahre trafen und prägten seine Möbel aus Wellpappe: Möbel für junge
Leute in der Ära des Aufbruchs und der Mobilität, preiswert, minimalistisch in der
Form, objekthaft und bereits dem Recyclinggedanken verhaftet und ökologisch
visionär – Möbel für progressive Intellektuelle und Studenten. Wie auch der
sogenannte „Revoluzzerkoffer“, ursprünglich konzipiert als kostengünstig zu
produzierender Kunststoffbehälter für Werkzeug, avanciert er Mitte der 1970er
Jahre zum Kultkoffer für Designer und andere Kreative, Understatement
signalisierend im Gegensatz zum repräsentativen Managerkoffer.
Weitere Informationen und Bildmaterialien stellen wir Ihnen auf Anfrage
gerne zur Verfügung.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr
Eintrittspreise: 3 Euro/1, 50 Euro, mittwochs freier Eintritt
Kombikarte Kunstverein/Kunsthalle Fridericianum: 6 Euro/4 Euro
Führungen: Kostenlose, öffentliche Führungen durch die Ausstellung
„BACK TO KASSEL“ finden am Sonntag, 30.05. und Sonntag, 27.06.2010,
um jeweils 16.30 Uhr statt.